Kirche.Fusion.Effizienz

Was von Wissenschaft und Technik als (künftiger) Garant für die Erzeugung (fast) unendlicher Energien erträumt wird, kriegt die evangelische Kirche bereits seit gut fünf Jahren in dieser Gegend halbwegs hin: Die (Kern)Fusion. Und das nicht nur im Großbereich des Kirchenamtes Osnabrück – auch in GMHütte geht wohl 2024 die Fusion kleiner Kerne bzw. Gemeinden in ein großes Ganzes bald über die Bühne bzw. über die Altäre. Seit Januar 2013 gibt es das Kirchenamt Osnabrück-Stadt und -Land, das durch Fusion der bisherigen drei Kirchenkreise Bramsche, Melle und Osnabrück-Georgsmarienhütte mit ca. 60 Einzelgemeinden und zahlreichen diakonischen Einrichtungen gebildet wurde und mit rd. 90 Mitarbeiter*innen das Amtsbüro an der Meller Str. in Osnabrück betreibt.

Was vorher 60 Gemeinden weitestgehend in Eigenregie leisten mussten, erledigt nun das fusionierte Kirchenamt, in dessen Aktenstößen mittlerweile rd. 157.000 Kirchenmitglieder amtlich verzeichnet sind.

Sekt oder Selter
Auch die evangelischen Gemeinden in Georgsmarienhütte (und nicht nur die) tragen brav zur Effektivitätssteigerung bei und fusionieren, egal, ob die Gemeinden überhaupt wollen oder nicht oder es noch rechtlichen Klärungsbedarf gibt. Egal – Effektivität tut Not: Immer mehr arme Seelen treten aus verschiedensten Gründen aus den Kirchen aus, vom Rest hocken immer weniger in den Gottesdiensten – vielleicht auch nur eine Qualitätsfrage? Jedenfalls wird die Finanzdecke immer kleiner und immer größer der allgemeine Frust, zumal auch die Bereitschaft, den (ordentlich bezahlten) Priesterberuf zu ergreifen, bundesweit schwindet. Was also tun? Man/frau setzt nun vor allem auf Wirtschaftlichkeit, heißt: Effizienzverbesserung. So befände sich auch die ev. Kirche längst im nötigen Transformationsprozess und suche Anregungen bei privatwirtschaftlichen Unternehmen oder sozialen Institutionen auch außerhalb der Kirche, so die Sprecherin der dem (fusionierten) Kirchenamt übergeordneten ev. Landeskirche, Sprengel Osnabrück. OK! Ihr Chef, „Quartiersmanager“,und Regionalbischof Friedrich Selter wird das als Kirchenkreis-Visitator (und auch sonst) ja dann schon richten.

Kartenleser statt Klingelbeutel
Und was heißt das nun im Detail? Wird die ev. Kirche – auch in GMHütte – ab jetzt als Wirtschaftsunternehmen geführt mit Werbung, Annoncen, Sonderangeboten? Gibt es Termine bald nur auf Voranmeldung oder per Nummern-Ziehen? Stehen Segensautomaten im Gemeindehaus, wenn der einsame Pastor oder Prädikant nicht da sein sollte (bei der Flächengröße der Gesamtgemeinde und der dünnen Personaldecke kann das wohl öfter passieren)? Kartenlesegerät anstatt Klingelbeutel? Muß Oma ihren Seelentrost jetzt bei Facebook und Youtube herunterladen? Was würde Jesus Christus dazu sagen?

Quengelware
Aber die Zeiten sind hart, der HERR ist weit weg und ein paar frei-wirtschaftliche Effektivitätstipps können nicht schaden! Darin, dass Kirchen und Gemeindehäuser in der kalten Jahreszeit kaum beheizt werden sollen, sind sich sogar beide Konfessionen einig, sozusagen wie ein ökumenischer Pelzmantel. Noch kostenmäßig effektiver wärs aber, unsere (ev.) Gottesdienste im Winter komplett in Supermärkte zu verlagern. Bei Combi, Lidl, Dütmann & Co. ist Publikum, da ist klimatisiert. Zusätzlich zum wöchentlichen Sonderangebot gibts dann Christus-to-go als Quengelware an der Kasse und/oder als Dauer-Werbeschleife der Frohen Botschaft im Marktradio – digital muss eh alles werden, ob im Markt oder in den Gemeinden und, wie gesagt, transformiert in Nachhaltig und in Sinnvoll. Und am besten kostenneutral. Mindestens.
Hätte der Zimmermannssohn schon damals bei seinen – oft mit kostenloser Bewirtung verbundenen -Volksreden absehen können, dass er bzw. seine Aura heutzutage besonders seinen leitenden Anhängern solch Effektivitäts-Probleme macht – wer weiß, ob er die ganze Sache mit Verkündigung, Bergpredigt, Schuldübernahme und Wiedergeburt nicht doch lieber hätte sein gelassen?
RFG